Die süßeste Fabrik von Rijeka

Die süßeste Fabrik von Rijeka Die süßeste Fabrik von Rijeka

Schokolade und Rijeka? Hinsichtlich der längst verzweigten Handelsverbindungen der Unternehmer aus Rijeka mit allen Teile der Erde, dank derer sie sich auch Kakao beschaffen konnten, dürfte die erste Schokolade in Rijeka schon ziemlich früh aufgetaucht sein. Trotzdem fand der entscheidende Moment mit der Gründung der großen Kakao- und Schokoladenfabrik in Rijeka statt, was auf der städtischen Wirtschaftskarte 1986 festgehalten wurde.


Die Kakao- und Schokoladenfabrik in Rijeka war der erste Betrieb für die industrielle Herstellung eines solchen Produkts in Kroatien. Der Betrieb befand sich in einem großen dreistöckigen Gebäude, das neben der ehemaligen Via Serpentina bzw. in der Nähe der Kreuzung der heutigen Straße Zvonimirova ulica und der Straße Ulica Vinka Benca errichtet wurde.

Die Fabrik lieferte Schokoladentafeln, Schokoladenbonbons, Kakaopulver, Törtchen, Schnitten und ähnliche süße Häppchen in die Ladenregale. Damit die Käufer ihre Produkte in Erinnerung behielten, erfanden Marketingexperten der Fabrik zwei Handelsmarken: Die Marke Slon und die Marke Jadran.

So gelangte die Schokolade unter dem Namen „Riječka čokolada Slon” zu den Verkaufsstellen. Auf der Verpackung war eine Illustration mit dem Motiv eines Elefanten abgedruckt, manchmal auch einer Elefantendame mit drei kleinen Elefanten, was den Käufern sagen sollte, dass ein Produkt mit besonderer und exotischer Herkunft in ihre Hände gelangt war. Der Kakao kam aus fernen Ländern, in denen die Kakaopflanze wächst, nach Rijeka, und wurde in Rijeka mit Zucker und Milch vermischt. Wer Kakaopulver haben wollte, um ihn zu Hause für die Zubereitung eines köstlichen Getränks oder leckerer Kuchen zu gebrauchen, konnte im Geschäft eine runde Dose kaufen, auf der der Name „Riječki kakao Slon” oder „Riječki kakao Jadran” abgedruckt war. Auch andere Fabrikate landeten unter besonderen Namen in den Händen der Käufer. Da waren zum Beispiel „Riječke tortice” (Törtchen) und „Adria šnite” (Schnitten).

Hinsichtlich der ausgeprägten Neigung zum Marketing wundert es nicht, dass die Fabrikleitung sehr viel in Werbung investierte. Es wurde die Anfertigung von Farbplakaten in Auftrag gegeben, auf denen oft eine suggestive Szene zu sehen war: Frauen und Kinder, wie sie Schokoladenhäppchen genießen. Warum es gerade Frauen und Kinder waren, lässt sich unschwer erraten – zu Gange waren die damaligen Geschlechtsstereotypen, nach denen Süßigkeiten als kein angemessener Imbiss für echte Männer gesehen wurden. Bestellt wurde auch der Druck von Werbepostkarten mit phantasievollen, einigermaßen exotischen Motiven. Auf ihnen sind Waldzwerge, wie sie am Feuer ein Kakaogetränk zubereiten, Wüstenräuber, die auf eine Karawane mit Kakao-Fracht lauern und Engel, die in einem Mädchentraum große Dosen von „Riječki kakao” bringen, abgebildet. 

Da die Eigentümer wechselten, änderte die Fabrik mit der Zeit auch ihren Namen. Von 1919 bis Ende ihres Betriebs1944 produzierte sie unter dem Namen „Tvornica čokolade Gerbeaud”.