Die Kathedrale des Hl. Vitus in Rijeka ist der einzige barocke Rundbau von monumentalen Ausmaßen, der auf dem Gebiet Kroatiens gebaut wurde. Der Bau dieser Kirche begann im Jahre 1638 nach Plänen des Jesuiten und Architekten G. Briano. Als Vorlage diente die bekannte venezianische Kirche Santa Maria della Salute. 

 

Für den Bau der Kirche des Hl. Vitus wurde ein erhöhter Platz inmitten der in dieser Zeit dichten, noch mittelalterlichen Stadtstruktur ausgewählt. Dort befand sich zuerst eine kleine Kirche, die demselben Patron, dem Patron der Stadt, gewidmet wurde. Der Jesuitenorden als inspirierende Kraft des Unternehmens entschied sich, den Kult vom uralten Wundertätigen Kruzifix aus dieser Kirche zu nutzen, worüber die Volkslegende erzählt, dass es anfing zu bluten, als ein gewisser Petar Lončarić einen Stein nach dem Kruzifix warf, weil er beim Glücksspiel verloren hatte.

 

Das frühgotische Kruzifix ist in den barocken Hauptaltar der neuen Kirche integriert worden, und es fand sich auch, wie es der erzählerischen Frömmigkeit solch wundertätiger Reliquien eigen ist, ein Platz für den Stein von Lončarić, sowie eine kleine Hand aus Bronze. Die Investition für den Bau der neuen Kirche des Hl. Vitus überstieg die Möglichkeiten der lokalen Umgebung, so dauerte der Bau – mit Unterbrechungen – ein ganzes Jahrhundert und wenn man nach den Fassadenflächen urteilt, die nicht mit Steinplatten verkleidet wurden, ist der Bau auch nie vollendet worden. Zu einer erheblichen Veränderung des Bauvorhabens kam es im Jahre 1725, als der neue Baumeister B. Martinuzzi der Kirche eine Galerie hinzufügte. Der örtlichen Legende nach ist es dazu gekommen, weil die Jesuiten nicht wollten, dass sich während der Liturgie das Ordensnoviziat mit dem Volk mischt, insbesondere nicht mit den wunderschönen Mädchen von Rijeka.

 

Das Kircheninnere ist ein wahres barockes „Gesamtkunstwerk“, eine stilistische Einheit. Die Autoren der opulenten, luxuriösen, barocken Plastik des Interieurs, des Altars und der Kanzel sind Meister aus Gorizia und Friaul: S. Petruzzi, P. Lazzarini, L. Pacassi und A. Michelazzi, von denen der letztere auch in Rijeka sesshaft wurde. Der Autor des Altarbildes, der Hl. Joseph mit dem Jesuskind, ist der Maler V. Metzinger aus Ljubljana, der eigentlich aus Lothringen stammte. Ein unbekannter Barockmeister hat den Altaraufsatz des Hl. Ignatius von Loyola gemalt. Zu dem 19. Jahrhundert gehören hier nur die Benevenuti-Statue der trauernden Madonna auf dem gleichnamigen Altar und Simonettis Bild Mariä Himmelfahrt. Die 1742 geweihte Kirche stellt nur noch den Überrest des Gebäudekomplexes dar, welcher noch die Gebäude des Jesuitenseminars und Kollegiums umfasste, aber zwischen den Weltkriegen abgerissen wurde. 

 

Das Portal des Jesuitenkollegiums wurde durch Umsiedlung an das Domherrenhaus bewahrt, welches an der Rückseite der Kirche des Hl. Vitus angebaut wurde. Neben dem Hauptportal der Kirche des Hl. Vitus haben die Einwohner von Rijeka eine Kanonenkugel eingemauert, mit einem witzigen Spruch auf Latein, welcher in der Übersetzung lautet: „Dieses Obst hat England gesandt, als es die Gallier von hier vertreiben wollte“. Die Aufschrift ist ein Zeugnis einer Episode aus den Napoleonischen Kriegen, die sich in Rijeka im Jahre 1813 abspielte. Da die Aufschrift ein Chronogramm ist, kann man die Jahreszahl erkennen, wenn man die größeren Buchstaben als römische Zahlen liest. Zur Kathedrale wurde die Kirche des Hl. Vitus zwischen den beiden Weltkriegen erhoben.

 

Mit vorheriger Anmeldung kann man die Sammlung an Bildern, Goldschmiedekunst, Messgewändern, seltenen Büchern, Graphiken und anderen sakralen Kunstwerken besichtigen, welche auf der Galerie der Kathedrale eingerichtet ist. Ein Besuch ist obligatorisch, weil sich dort auch ein Portrait des Hl. Franziskus von Xavier befindet, dem Schutzpatron der Touristen.